Die besten Excel Alternativen im Vergleich

Obwohl als Tabellenkalkulationsprogramm konzipiert, wird heute wohl kaum ein anderes Computerprogramm für so viele unterschiedliche Anwendungsfälle genutzt wie Microsoft Excel. Wer sich nicht an den amerikanischen Quasi-Monopolisten binden will, der hat die Qual der Wahl! Calc, Google Sheets, Apple Numbers und SoftMaker Office sind nur die bekanntesten unter den zahlreichen Alternativen. Ein Neuling unter den Online-Tabellenanwendung ist SeaTable, das gegenüber anderen Excel Alternativen einen deutlich erweiterten Funktionsumfang aufweist und damit den Wettbewerb neu belebt.

Funktions- und Featurevergleich

Für die, die sich nur einen schnellen Überblick verschaffen wollen, stellt die nachfolgende Tabelle die zentralen Eigenschaften und Funktionen der wichtigsten Excel Alternativen gegenüber. Eine detaillierte Beschreibung dieser Programme folgt weiter unten im Anschluss an eine Kategorisierung der hier betrachteten Tabellenkalkulationsprogramme.

In diesem Vergleich wurden nur lokale Anwendungen berücksichtigt, die von mindestens zwei Betriebssystem-Plattformen genutzt werden können. Aus diesem Grund ist Apple Numbers als reine Excel Alternative für Mac genauso wenig dabei wie Gnumeric, dessen Entwickler die Bereitstellung von Windows Installationsdateien in 2014 eingestellt haben und das nunmehr ein reines Excel für Linux ist.

 CalcPlanmakerGoogle SheetsZoho SheetEthercalcSeaTable
EntwicklerLibreOffice und OpenOfficeSoftmaker GmbHGoogle Inc.Zoho Corp. Pvt. Ltd.CommunitySeafile Ltd.
PlattformWindows, Mac, LinuxWindows, Mac, LinuxBrowser-basiertBrowser-basiertBrowser-basiertBrowser-basiert
DateiformatODSPMDX oder XLSX----
KostenkostenlosKauf: 100€
Miete: 30€ p.a.
kostenlose Optionkostenlose Optionkostenloskostenlose Option
Erfassung
Text-Felder
Zahlen-Felder
Datum-Felder
Formeln
Einfachauswahl() via Datenvalidierung() via Datenvalidierung() via Datenvalidierung() via Datenvalidierung
Mehrfachauswahl
Formatierter Text
Dateien
Bilder
Positionsdaten
Ersteller
Erstellungszeit
Letzer Bearbeiter
Bearbeitungszeit
Relationen
Max. Spalten
Max. Zeilen
1.024
1.048.576
16.384
1.000.000
5.000.000 cells256
65.536
n/a500
500.000 (abhängig von Abonnement)
Auswertung
Datenvalidierung
Sortierung
Filter
Gruppierung
Bedingte Formatierung
Zielwertsuche (per Add-on)
Pivot Tabellen
Diagramme()
Karten-Ansicht
Galerie-Ansicht
Zeitleisten-Ansicht
Integrationen
Externe Daten (via Funktionen, Add-ons und Skripte) (via Add-ons und Skripte)
API()
Plugins
SDK

Klassifizierung der Excel Alternativen

Nicht in der tabellarischen Gegenüberstellung enthalten sind die beiden Eigenschaften Betriebsart und Verfügbarkeit des Quellcodes. Dies holen wir nun nach! Eine über diese beiden Kriterien aufgespannte Matrix schafft Übersicht und eine entscheidungsorientierte Einordnung.

Classification Excel Alternative

Ein Vergleich von Tabellenkalkulationen vor 15 Jahren hätte ausschließlich lokale Anwendungen wie Calc und Apple Numbers aus den beiden untersten Quadranten Microsofts Excel gegenüber gestellt. Mit dem Siegeszug von Cloud Computing haben die Browser-basierten Tabellenkalkulationen enorme Marktanteile gewonnen und sind heute mehr und mehr die führenden Anwendungen. Nicht umsonst gibt es neben dem klassischen Excel mittlerweile auch Excel Online als Webanwendung des Microsoft 365 Pakets.

Die Vorteile der servergehosteten Lösungen sind auch nicht von der Hand zu weisen. Da ist zum einen die Orts- und Geräteunabhängigkeit von Cloud-Anwendungen. Ein Browser ist alles, was man benötigt. Das Endgerät und dessen Betriebssystem spielen keine Rolle mehr. Egal ob Desktop oder Mobilgerät, am Arbeitsplatz oder unterwegs, man hat immer Zugriff auf seine Daten. Ebenso wichtig ist das Thema Collaboration. Änderungen durch einen Benutzer werden sofort an andere weitergeleitet – man arbeitet zusammen, als ob man gemeinsam vor der Tabelle sitzt. Alle Cloud- und selbstgehostete Lösungen unterstützten die gemeinschaftliche Zusammenarbeit an Tabellen in Echtzeit. Last but not least, Cloud-Lösungen sind für Administratoren wie für Benutzer beispiellos komfortabel. Die dezentrale Installation und Wartung der Software auf den Arbeitsplätzen entfällt.

Zwar sind lokale Tabellenlösungen angezählt, sie haben dennoch weiterhin ihre Existenzberechtigung. Das wichtigste Argument auf ihrer Seite ist die Unabhängigkeit vom Internetzugang. Wer auf Reisen ein paar Änderungen machen will, wird bis auf weiteres an ihnen nicht vorbeikommen. Ein weiteres, wenn auch an Bedeutung verlierendes Argument, ist die breitere Verfügbarkeit von Erweiterungen, wie z.B. die in vielen Unternehmen unverzichtbaren Makros. In vielen Fällen sind die nur für die Desktop-Versionen verfügbar. Gleiches gilt für Literaturverwaltungssysteme, die in der Wissenschaft unverzichtbar sind.

Calc

“Die Open Source Tabellenkalkulation der LibreOffice und OpenOffice Suite”

Vor dem Boom der Cloud-basierten Tabellenlösungen war Calc die unangefochtene Excel Alternative und bei privaten Benutzern erfreut sich Calc auch heute noch großer Beliebtheit. Calc überzeugte damals wie heute mit vielen Funktionen, einer breiten Plattformunterstützung mit Installationsmedien für Windows, Mac und Linux sowie einer großen Nutzergemeinschaft, die eine umfangreiche Dokumentation bietet. Ein weiteres Plus für Calc: Es kann privat wie gewerblich kostenlos genutzt werden.

Calc findet sich in ähnlicher, aber nicht identischer Form in der OpenOffice und der LibreOffice Office Suite. Der Grund dafür findet sich in der gemeinsamen Vergangenheit der beiden Suiten. Im Jahr 2010 spaltete sich LibreOffice als separates Projekt von OpenOffice ab, das damals von Oracle dominiert wurde und dem Projekt wenig Aufmerksamkeit widmete. Die Entwicklung von LibreOffice wird seither unabhängig von The Document Foundation weitergetrieben. Oracle zog sich wenig später vollständig aus dem Projekt zurück und übergab es an die Apache Software Foundation, die seitdem für OpenOffice namensgebend ist.

Screenshot Libre Office Calc

Bei den Kernfunktionen steht Calc Excel in nichts nach! Bei genauem Blick findet man auch einige Features, die Excel nicht im Angebot hat. Eine besondere Stärke zeigt Calc im Bereich Formeln. Der Formel Assistent von Calc kennt rund 30 Funktionen mehr als der Konkurrent von Microsoft. Darüber hinaus bietet Calc als Open Source Excel Alternative eine gute Unterstützung des OpenFormula Standards. Flexibel zeigt sich Calc auch beim Thema Formatierungen. In Ergänzung zu den üblichen Zellformatierungen kennt Calc Zell- und Seitenstile, mit den sich Tabellen schnell ansehnlich und einheitlich gestalten lassen. Dem Open Source Paradigma treu fördert Calc auch die Datenportabilität: Apple Numbers und Gnumeric Dateien lassen sich ebenso importieren wie zahlreiche ältere Formate (z.B. MS Works, Lotus 1-2-3). Die Möglichkeit, zwei Tabellendateien zu vergleichen, ist eine weitere Calc Funktion, auf die Excel Nutzer bisher vergeblich warten. Administratoren schätzen außerdem die Möglichkeit, OpenOffice wie LibreOffice ohne Installation direkt von einem USB-Stick starten und ausführen zu können.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Calc nur eine eingeschränkte Makro-Unterstützung mitbringt und sich nicht flexibel bei der Anbindung externer Datenquellen zeigt. Damit fällt es für viele gewerbliche Nutzer aus. Für Heavy User ist weiterhin die fehlende Multithreading-Fähigkeit und das Fehlen von Power Pivot ein gewichtiges Argument gegen Calc. Weniger ambitionierten Benutzern werden am ehesten die reduzierte Auswahl an Diagrammtypen auffallen. Wasserfall-Charts und Histogramme stehen beispielsweise nicht zur Verfügung.

Nutzer, die mit den fortgeschrittenen Funktionen nur wenig arbeiten, werden beim Einstieg bzw. dem Umstieg auf Calc keine Probleme haben. Die Benutzeroberfläche von Calc ist übersichtlich und die Menüs sind logisch strukturiert. Etwas anderes ist es bei erfahrenen Excel Usern. Diese werden zu Beginn ihre Arbeitseffizienz abwärts gehen sehen, da sie häufiger nach den gewünschten Funktionen suchen müssen. Dabei ist nicht die weniger modern wirkende Optik des Benutzerinterfaces entscheidend als die abweichende Organisation von Funktionen und deren Funktionsweise.

Ein weiteres Hindernis für den Wechsel auf die Excel Alternative Calc ist die unvollständige Unterstützung des von Excel verwendeten XLSX-Dateiformats. XLSX-Dokumente lassen sich in Calc öffnen, Formatierungen und Funktionen können dabei jedoch verloren gehen. Die LibreOffice Entwickler selbst bezeichnen die Unterstützung des Imports von und des Exports in Microsofts OOXML-Dateien als “Partial”. Das Standarddateiformat von LibreOffice und OpenOffice ist ODS, ein herstellerunabhängiges Dokumentenformat nach dem Open Document Standard.

PlanMaker

“Der Excel Klon aus dem Hause Softmaker”

PlanMaker ist die Tabellenkalkulation der SoftMaker Office Suite der Nürnberger SoftMaker Software GmbH. Die Office Suite aus deutschen Landen enthält neben PlanMaker auch die Dokumentenverarbeitung TextMaker und die Anwendung Presentations.

Screenshot Softmakers PlanMaker

Wer eine kostenlose Alternative zu Excel sucht, der wird mit PlanMaker zunächst enttäuscht: Die Kauflizenz für fünf private bzw. einen geschäftlichen Computer kostet rund 100€. Für 3€ pro Monat bzw. 30€ pro Jahr kann man die SoftMaker Suite auch mieten. Wer partout nichts ausgeben will, der findet unter dem Namen FreeOffice eine funktionseingeschränkte Version der SoftMaker Office Suite, die dauerhaft kostenlos genutzt werden kann.

Wer jedoch aus Antipathie zu Microsoft von Excel weg will und einen leistungsfähigen, komfortablen Excel Klon sucht, der ist mit PlanMaker hervorragend bedient. PlanMaker bietet ein umfangreiches Funktionspaket, eine ansprechende, sehr eng an Excel angelehnte Benutzeroberfläche und eine exzellente Kompatibilität mit dem XLSX-Dateiformat von Excel. Tatsächlich können die Anwendungen der SoftMaker Suite standardmäßig Microsofts OOXML-Dateiformate für die Dateispeicherung verwenden. Insofern fallen bei PlanMaker viele der Nachteile weg, die gegen Calc als Excel Alternative sprechen.

PlanMaker kann aber auch noch an einer anderen Stelle gegen Excel punkten: PlanMaker läuft auf allen wichtigen Desktop Plattformen und stellt damit eine attraktive Excel Alternative für Mac und Linux dar. Auch das kostenlose FreeOffice gibt es für die drei Betriebssystemfamilien.

Sheets

“Das Online-Spreadsheet von Google”

Sheets ist die Tabellen-Webanwendung aus dem Hause Google. Es bietet eine ansprechende Benutzeroberfläche, reichhaltige Datenanalysefunktionen sowie praktische Teamfunktionen. Alles was man braucht, um mit Sheets loszulegen, ist ein (kostenloser) Google Account – und wer hat den nicht? Kein Wunder also, dass Google Sheets die derzeit wohl populärste Excel Alternative ist!

Screenshot Google Sheets

Die Google Entwickler haben mit Sheets eine Anwendung geschaffen, in der sich Einsteiger wie anspruchsvolle Nutzer gleichermaßen wohl fühlen. Das webbasierte Benutzerinterface läuft sehr flüssig, die Menüs sind gut organisiert und auch engagierte Benutzer werden kaum funktionale Wünsche offen haben. Andererseits ist es gerade der Verzicht auf einige Funktionen, der Google Sheets für Einsteiger attraktiv macht.

Insbesondere wenn die gemeinsame Arbeit an Tabellen im Vordergrund steht, kann Sheets seine Trümpfe als Webanwendung ausspielen. Tabellen von Google Sheets werden in Google Drive, das ebenfalls mit dem Google Konto verknüpft ist, gespeichert. Von dort sind Tabellen mit wenigen Klicks mit anderen Benutzern geteilt. Bei gleichzeitiger Bearbeitung sehen alle Bearbeiter die Cursorpositionen und die Eingaben der anderen in Echtzeit. Ein integrierter Chat erlaubt den direkten Austausch mit Kollegen.

Während Google Sheets bei der Zusammenarbeit glänzt, so muss man bei erweiterten Funktionen gegenüber Excel gewisse Einschränkungen hinnehmen. Gerade bei der Visualisierung sind die Möglichkeiten noch nicht ganz auf dem Niveau des Originals. Die Optionen zur Erstellung hochwertiger, einheitlicher Diagramme sind bei Excel ein Stück vielseitiger. Noch.

Google ist auf gutem Weg, den Abstand zum Platzhirsch Excel aufzuholen. Seit den bescheidenen Anfängen im Jahr 2006 hat sich Sheets rasant entwickelt. Und die Weiterentwicklung geht weiter. Anfang 2020 wurde z.B. ein Versionsverlauf der Änderungen integriert. Wem die bestehenden Funktionen von Sheets nicht ausreichen, der kann weitere Funktionen per Add-on aus dem G Suite Marketplace “nachrüsten”.

Neueinsteiger werden sich mit Sheets vermutlich leichter tun als mit Excel. Umsteiger werden sich nach kurzer Kennenlernphase ebenfalls schnell zurechtfinden. Das größere Problem beim Wechsel präsentiert sich weniger bei der Nutzung als bei der Datenmigration. Es ist beeindruckend, wie viele Excel Features Google Sheets erkennt und importiert (z.B. Datenvalidierung). Berichte von nicht mehr funktionierenden Formeln oder zerstörten Diagrammen nach dem Import gibt es jedoch weiterhin.

Sheet

“Die Online-Tabellenkalkulation der Zoho Office Suite”

Zoho Sheet ist die Web-Tabellenkalkulation der indischen Zoho Corporation und Bestandteil der Zoho Office Suite. Diese hat in den letzten Jahren einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen, nicht zuletzt weil sie von Privatpersonen kostenlos genutzt werden kann. Weitere Teile der Online-Office Suite sind Zoho Writer (Textverarbeitung), Zoho Show (Präsentationen) und Zoho Notebook (Notizen). Darüber hinaus umfasst das Angebot von Zoho mehr als 40 integrierte, webbasierte Office Apps und präsentiert sich damit selbst als G Suite Alternative. Ein genauer Blick lohnt sich also in jedem Fall.

Wer aufgrund der Namensähnlichkeit und des Anspruchs als G Suite Killer weitere Ähnlichkeiten zu Google Sheets vermutet, liegt nicht falsch. Auf den ersten Blick erscheint Zoho Sheet als Google Sheets Klon. Die Menüstruktur ist quasi identisch; Unterschiede zeigen sich erst auf den zweiten Blick. Auch beim direkten Funktionsvergleich sind Zoho Sheet und Google Sheets nahe beieinander. Webformulare, Pivot Tabellen, bedingte Formatierung, Versionierung sowie umfangreiche Collaboration Funktionen inklusive Sharing, Echtzeit-Zusammenarbeit und Chat gibt es in beiden. Wer mit Google Sheets zurecht kommt, wird auch mit Zohos Excel Alternative keine Mühe haben.

Screenshot Zoho Sheet

Man tut Zoho Sheet aber unrecht, wenn man ihm Individualität abspricht! Im Bereich Datenanalyse bietet Sheet mit einem Solver und einer Zielwertfunktion mehr als das Google Pendant. Aufgrund seiner weniger marktdominierenden Rolle zeigt es sich auch erfreulich integrativ. In Zoho Sheet angelegte Tabellen können im eigenen Online-Speicher – Zoho Docs für Privatpersonen, Zoho WorkDrive für Teams – oder in einem eingebundenen Account von Google Drive, Box, OneDrive sowie Dropbox abgespeichert werden. Dateiexport ist in Dateien vom Typ .csv, .xlsx und .ods möglich.

Eine Stärke von Zoho Sheet, die es insbesondere für Umsteiger als Excel Alternative empfiehlt, ist seine Makro Unterstützung, die auch eine solche für Visual Basic for Applications (VBA) beinhaltet. Die leistungsfähige Scripting Engine von Google Sheets benötigt für Makros Google Apps Scripte, die auf JavaScript basieren. Für Excel Benutzer, die bisher in VBA entwickelten, bedeutet das eine massive Umgewöhnung bzw. das Erlernen einer neuen Programmiersprache.

Das Rennen zwischen Zoho Sheet und Google Sheets ist ein enges und die Frage nach dem überlegenen Excel Ersatz lässt sich nicht ohne den Kontext der konkreten Anwendung beantworten. Gerade im Bereich Datenvisualisierung bietet Zoho Sheet weniger Optionen als Google Sheets. Auch wird das Zeichnen von Zoho nicht unterstützt. Für einige Benutzer ist evtl. auch die Limitierung auf 65.000 Zeilen und 256 Spalten eine maßgebliche Einschränkung. Eine gute Google Sheets Alternative ist Zoho Sheet in jedem Fall für all die Excel Umsteiger, die ein Excel Sheet ohne Makro nicht als echtes Excel Spreadsheet betrachten.

Ethercalc

“Das Open Source Web-Spreadsheet für die einfache Zusammenarbeit”

Das weniger bekannte Ethercalc ist eine simple webbasierte Spreadsheet-Anwendung, die von einer kleinen Community entwickelt wird. Als Open Source Software kann sich jeder Ethercalc herunterladen und uneingeschränkt nutzen. Die Entwickler stellen Pakete für alle wichtigen Serverplattformen inkl. eines Docker Images zur Verfügung. Unter https://ethercalc.org kann man die Anwendung ohne Benutzeranmeldung testen und nutzen.

Auf den ersten Blick fällt bei Ethercalc die rudimentäre, etwas verstaubt aussehende Benutzeroberfläche auf. Auch die von Ethercalc bereitgestellten Funktionen sind im Vergleich zu Excel und den anderen Cloud-basierten Excel Alternativen eher gering. Dies fällt vor schon bei der Formatierung und einfachen Analyse von Daten wie z.B. beim Sortieren auf. Während bei Excel und Konsorten Assistenten diese Arbeiten einfach und komfortabel machen, ist dies bei Ethercalc über die dazugehörigen Menüs mit einigem Klickaufwand verbunden. Die Möglichkeiten zur Datenvisualisierung sind sehr eingeschränkt, eine Filterfunktion fehlt vollständig.

Screenshot Ethercalc

Vom Funktionsumfang und Komfort ist Ethercalc den anderen Excel Alternativen nicht ebenbürtig. Dies ist zum einen auf die kleine Entwickler Community zurück zu führen, zum anderen aber auch auf die generelle Zielsetzung des Projekts.

Im Vordergrund steht bei Ethercalc nicht die Auswertung großer Datensätze, sondern die Zusammenarbeit und die ortsungebundene Datenerfassung. Als Tabelle im Web benötigt man kein installiertes Programm, sondern kann von unterwegs per Handy oder Tablet Anpassungen machen und dank Echtzeitunterstützung sind in Ethercalc alle Änderungen sofort für alle anderen sichtbar. Für die Auswertung der erfassten Daten steht dann eine Exportfunktion zur Verfügung, die den einfachen Transfer in XLSX, ODS, CSV und HTML ermöglicht.

SeaTable

“Die kollaborative Web-Tabellenkalkulation für mehr als Zahlen und Text”

SeaTable ist die jüngste Anwendung im Kreis der hier betrachteten Excel Alternativen. Wie Google Sheets, Zoho Sheet und Ethercalc ist SeaTable eine Server-basierte Tabellenanwendung, die ein ansprechendes Benutzerinterface mit leistungsfähigen Analyse- und Collaboration-Funktionen kombiniert. Darüber hinaus macht SeaTable aber vieles anders als die Konkurrenz und ermöglicht dadurch viele neue Anwendungsfälle, die so in Excel und Konsorten nicht möglich waren und sind.

Dass SeaTable einiges anders macht als die anderen Tabellenkalkulationen, fällt schon beim ersten Öffnen einer Tabelle ins Auge. Anstelle eines uniformen Tabellenraster, das nur Text, Zahlen und Formeln versteht, können in einer SeaTable Tabelle auch Bilder und Dateien, Checkboxen, Positionsdaten sowie Benutzerverweise abgespeichert werden. Weitere Feldtypen, die SeaTable anbietet, sind Einfach- und Mehrfachauswahlen. Einfachauswahlfelder sind den Dropdown-Listen, die man in Excel via Datenvalidierung abbilden kann. Die Auswahlfelder in SeaTable sind aber flexibler und einfacher zu bedienen. Mehrfachauswahlfelder, die keine Entsprechung in Excel haben, helfen bei der Kategorisierung und Verschlagwortung von Daten. Mit diesen erweiterten Feldtypen lassen sich alle erdenklichen Informationstypen in einer Tabelle ablegen. Unterschiedliche Speicherorte für unterschiedliche Datentypen ist damit ein Ding der Vergangenheit.

Screenshot SeaTable

Eine weitere Funktion, die in keiner der anderen Anwendungen zur Verfügung steht, sind Verknüpfungen. Mit Verknüpfungen lassen sich Datensätzen miteinander in Beziehung setzen und Abhängigkeiten bzw. Zugehörigkeiten abbilden. (Nicht zu verwechseln mit Zellverweisen in Excel.) Dies geht innerhalb einer Tabelle und tabellenübergreifend, so z.B. Umsätze in einer Tabelle und Filialen/Verkäufer in einer anderen Tabelle. Über dazugehörige Analysefunktionen lassen sich diese in der Online-Excel Alternative spielend einfach graphisch und tabellarisch auswerten. SeaTable bringt damit Funktionalitäten, die man sonst nur aus Datenbanksystem kennt, in eine einfache, intuitiv bedienbare Form.

Natürlich verfügt SeaTable auch über die klassischen Funktionen einer Tabellenkalkulation: Filter, Sortierungen und Gruppierungen bringen Daten in die gewünschte Form, mit Pivot Tabellen lassen sich auch große Datensätze rasch auswerten und die diversen Diagrammtypen stellen Daten visuell dar. Aber wie schon bei den unterstützten Datentypen geht SeaTable auch bei den Darstellungsoptionen einen Schritt weiter als die anderen Excel Alternativen und Online-Tabellen. SeaTables erweiterte Ansichten bieten Visualisierungsoptionen für die nicht numerische Datentypen: In der Karten-Ansicht lassen sich Adress- und Geodaten auf einer Karte darstellen und die Galerie-Ansicht zeigt die in einer Tabelle abgelegten Bilddaten übersichtlich nebeneinander an. In einer Tabelle erfassten Termindaten lassen sich in der Kalender- und in der Zeitleisten-Ansicht anzeigen und bearbeiten, wie man es sonst nur aus Projektmanagement-Anwendungen kennt.

Screenshot SeaTable Statistics

Als Lösung der neuen Ansätze macht SeaTable auch beim Thema Betriebsform keine Kompromisse. SeaTable lässt sich komfortabel als gehostete SAAS-Lösung verwenden. Das Free Abonnement ist dauerhaft kostenlos. Anders als die anderen Online-Excel Alternativen gibt es SeaTable aber auch als Software für den eigenen Server. Auf diese Weise bietet sich SeaTable auch für all diejenigen an, die mit strikten Datenschutzanforderungen konfrontiert sind. Zwei unterschiedliche Editionen stehen zur Verfügung: Die SeaTable Community Edition ist kostenlos und teilweise Open Source. Die kostenpflichtige Enterprise Edition bietet erweiterte Funktionen für den Unternehmenseinsatz, wie z.B. die eine zentrale Benutzer-Authentifizierung, Clustering und Objektspeicher-Unterstützung.

Einen ähnlichen Weg wie Google Sheets – und damit für Entwickler angenehm konventionell – geht SeaTable beim Thema Erweiterungen. Per API und SDK lassen sich Erweiterungen wie Automatisierungen, Integrationen und Funktionsergänzungen mit überschaubarem Aufwand entwickeln. Über einen Plugin Store können diese mit wenigen Klicks installiert werden. Angesichts des jungen Alters der Lösung wird es spannend zu sehen sein, welche Neuerungen da in Zukunft dazu kommen werden.

SeaTable-Einsteiger werden sich zunächst daran gewöhnen müssen, vor der Datenerfassung die Informationstypen pro Spalte zu definieren. Die intuitive Spreadsheet Benutzeroberfläche macht diese Herausforderung jedoch überschaubar. Die Migration von Excel wird weiterhin mit Importfunktionen für CSV- und XLSX-Dateien erleichtert. Aufgrund der von SeaTable verwendeten Datenformate können beim Import aber Informationsverluste entstehen.

Reiche Auswahl guter Excel Alternativen

Wer eine leistungsfähige Tabellenanwendung haben will, muss nicht zu Excel greifen! Die verfügbaren Alternativen müssen sich weder hinsichtlich Funktionalität noch hinsichtlich Bedienbarkeit verstecken. Auch die kostenlosen Alternativen können sich mehr sehen lassen.

Die bekannten Excel Alternativen in diesem Vergleich sind Excel funktional ähnlich und bieten eine ähnliche Benutzererfahrung. Die Cloud-Lösungen sind ausgewachsene Lösungen, die das Gros der Excel Funktionen abbilden und darüber hinaus mit Collaboration Funktionen punkten. Aus der Maße heraus sticht SeaTable durch die erweiterten Datenformate, Datenbankfunktionen und anwendungsorientierten Ansichten. Als einzige Anwendung in diesem Vergleich ist SeaTable gleichermaßen als Cloud- und als selbstgehostete Anwendung verfügbar. Die Entscheidung zwischen Datenhoheit und Komfort kann so jeder frei treffen.